Training und Tierschutz

Training & Tierschutz

für ein sicheres und entspanntes Miteinander

Wenn wir Tiere halten, mit ihnen leben und sie zu unseren Zwecken einsetzen, dann greifen wir unweigerlich in ihre Selbständigkeit ein und beeinflussen ihr Verhalten. Ganz gezielt tun wir dies auch durch Tiertraining. Dabei sind wir in der Pflicht dies möglichst tiergerecht  und unter Tierschutzaspekten zu tun. Aber was bedeutet das? Tierschutz bezieht sich auf alle Aktivitäten von Menschen, die das individuelle Tier beeinflussen.  Es bezeichnet den Anspruch, Tieren individuell ein artgerechtes Leben ohne Zufügung von Leiden, Schmerzen, Schäden und unnötigen Beeinträchtigungen zu ermöglichen. Es umfasst die Bereiche Tiergesundheit,  das Ausführen von natürlichen Verhaltensweisen (auch mentale Prozesse) und das positive emotionale Wohlbefinden.

Im Zoobereich und in vielen weiteren professionellen Tierhaltungssystemen, wird dies nach dem 5 Freiheiten Prinzip gemessen. Diese werden auch auf den Bereich Tiertraining angewendet:

  1. Freiheit von Hunger und Durst: Tiere haben permanent Zugang zu frischem Wasser und erhalten genügend gesundes und gehaltvolles Futter. Sie erhalten die Möglichkeit sich letzteres auf unterschiedlicher Weise zu "erarbeiten" durch Beschäftigungsobjekte oder positiv verstärktes Training (Auslösen des  Contrafreeloading Prinzips und das Nutzen von Appetitiven Verhalten). 

  2. Freiheit von haltungsbedingten Beschwerden: Tiere haben eine geeignete Unterbringung (z. B. einen Unterstand auf der Weide), die Wahl mehrerer adäquaten Liegeflächen etc. Wechseln von einem Ort an einen Anderen oder das ändern der Umgebung wird so vorbereitet dass das Tier keinem übermässigen Stress ausgesetzt wird (z.B. Kistentraining, Halftertraining). Beim Einsatz in schwierigen Verhältnissen (Lärm, Hitze/Kälte, Schmerz) werden sie schonend darauf vorbereitet dies auszuhalten (Desensibilisierung / Gegenkonditionierung) und die Einsatzzeit wird möglichst minimiert.

  3. Freiheit von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten: Die Tiere werden durch vorbeugende Maßnahmen, bzw. schnelle Diagnose und Behandlung, versorgt. Sie werden auf regelmäßige Kontrollen und Eingriffe vorbereitet, dass sie sich großteils stress- und angstfrei behandeln lassen und sie werden schonend sowohl körperlich wie auch mental auf ihren Einsatzbereich vorbereitet (z.B. Medizinisches Training). 

  4. Freiheit von Angst und Stress: Durch Verfahren und Management werden Angst und Stress vermieden z. B. indem wo immer möglich, in erster Linie auf positive verstärkte Trainingsmethoden gesetzt werden (z.B. Aufbauen von Alternativverhalten) wobei die Sicherheit von allen beteiligten immer oberste Priorität hat. Im Training wird das Auslösen von Flucht, Angriff und Erstarrung möglichst vermieden und negativ verstärkende / positive bestrafende Techniken nach dem L.I.M.A Prinzip* minimiert.

  5. Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensmuster (auch mentalen): Die Tiere haben die Möglichkeit das Normalverhalten auszuüben z. B. durch ausreichendes Platzangebot, reichhaltige Beschäftigungsmöglichkeiten und Gruppenhaltung etc. Tiertraining wird auf den natürlichen Lernfähigkeiten des Tieres aufgebaut und in erster Linie auf den belohnungsbasierten Entdeckungs- und Spieltrieben. 

Tiertraining nach diesen Aspekten durchzuführen ist mein Anspruch. 

Mein Ansatz ist es den Tieren im Training weitgehend die Möglichkeit zu geben, ihr natürliches Verhalten und angeborenen Lernfähigkeiten eigenständig einzusetzen, um die vom Menschen gewünschten Ziele kooperativ zu erreichen. Das Tier wird in seinen Erfahrungen gezielt bestätigt und in seiner Umgebung so beeinflusst, dass es aus eigener Motivation das von uns gewünschte Verhalten zeigt. Grundfrage beim Training ist dadurch immer: Was soll das Tier tun? Und wie kann ich seine Bedürfnisse, seine Motivation und sein jetziges Wissen mit diesem Verhalten verknüpfen.

*LIMA: Least Invasive, Minimally Aversive intervention possible.  Ansatz, der zum Ziel hat, minimal Invasiv und Aversiv im Umgang mit Tieren zu sein.  Invasiv bezieht sich auf körperliche Eingriffe und Korrekturen sowie das räumliche Bedrängen aus Sicht des Tieres. Es bezieht sich weiter auf das Einschränken der Tagesabläufe und Reduzieren der Möglichkeiten des Tieres, Freude nach eigenem Bestreben zu erleben. Aversiv bezieht sich auf alles was das Tier vermeiden würde, wenn es könnte - in der Regel sind dies Bestrafung und negative Verstärkung. Dieses LIMA Prinzip wird weltweit von WAZA (dem Weltverband der Zoos&Aquarien) sowie Organisationen wie IAABC (International Association of Animal Behavior Consultants) und ABMA (Animal Behavior Management Alliance) als Grundsatz in deren Philosophien verankert. 

https://iaabc.org/about/LIMA